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LTB oder auch das kurioseste Malbuch seiner Zeit

Wenn man in den 80er Jahren die "Micky Maus" gelesen hat, dann hat man auch die "Lustigen Taschenbücher" verschlungen. Vermutlich hatte der eine oder andere schon einige davon im Regal, die er vom älteren Cousin geerbt hatte, der sie wiederum in den 70er Jahren gelesen hatte. Die ersten Lustigen Taschenbücher erschienen 1967 in Deutschland. Zu Beginn kamen sie vier bis fünf Mal im Jahr heraus, später, in den 80er Jahren, bis zu sechs Mal. Heute erscheinen 13 pro Jahr.

 

Auch bei uns wurden die ersten Bücher geerbt. Eines Tages kam meine Mutter mit einem großen Karton voller Lustiger Taschenbücher an, die sie von ihrer Freundin bekommen hatte. Deren Tochter war mitten in der Pubertät und wollte von Micky Maus nichts mehr wissen. Bei uns war es anders: Wir haben regelmäßig die Walt-Disney-Cartoons im ZDF-Ferienprogramm oder bei "Spaß am Dienstag" geschaut und liebten Micky, Donald und Goofy. Ich bin mir aber nicht sicher, doch ich glaube, dass wir die Lustigen Taschenbücher am Anfang gar nicht gelesen, sondern nur als Bilderbuch benutzt haben. Ich glaube, wir waren noch zu jung.

Es ist ein wenig schräg, aber auch spannend, die Bilder zu betrachten und sich die Geschichte selbst auszudenken – vor allem, wenn ich jetzt versuche, mich daran zu erinnern. Vermutlich bilde ich mir das aber nur ein. Ich bin mir aber sicher, dass mich die Aufteilung der alten Taschenbücher mit abwechselnd einer farbigen und einer schwarz-weißen Doppelseite schon damals verwirrt hat. Natürlich denkt man zuerst daran oder die Erwachsenen sagen einem: "Das kannst du schön ausmalen mit deinen Holzmalern." Doch dies scheint nicht so unsere Stärke gewesen zu sein. Ich habe jedenfalls keine bemalte Seite bei den auf dem Dachboden gefundenen Exemplaren gefunden. Ja, ich habe noch einige Lustige Taschenbücher aus meiner Kindheit, aber nicht viele. 

Wir hatten etliche, bis in die 90er Jahre haben wir die Dinger regelmäßig gekauft. Ich kann behaupten, dabei gewesen zu sein, als die LTBs komplett in Farbe gedruckt wurden. Ab Folge 119 gab es keine Schwarz-Weiß-Seiten mehr. Auch das Logo hat sich geändert. Später kamen dann noch Rückenbilder hinzu, und wir waren die ganze Zeit dabei.

Irgendwann wurden auch unsere Lustigen Taschenbücher vererbt. Es blieb ein kleiner Rest, aus dem ich alle Ausgaben mit dem alten Logo behalten habe.


In der Zeit, in der wir die "Lustigen Taschenbücher" leidenschaftlich verschlungen haben, konnte ich mich an eine ganz besondere Geschichte erinnern. Ich war schon damals jemand, der immer alles vervollständigen wollte, und habe immer versucht, in den Regalen von Buchhandlungen oder Supermärkten Ausgaben rauszusuchen, die wir noch nicht hatten.

 

Einen Überblick zu behalten, war nicht schwer: Auf den letzten Seiten der Bücher gab es immer eine vollständige Liste mit den Nummern und Titeln der bereits erschienenen Ausgaben. Hier konnte man sehen und markieren, welche Ausgaben man hatte und welche noch fehlten. Die neueste Ausgabe war mir nicht immer die wichtigste; ich wollte die Ausgaben, die hier standen und noch nicht in meiner Sammlung waren. 

So kam es, dass ich immer wieder vergeblich nach dem "Kolumbusfalter" suchte. Das war die erste "Lustige Taschenbuch"-Ausgabe, also die Nr. 1! Doch nirgends fand ich eine Version davon. Dass es so etwas wie Druckauflagen gibt, wusste ich damals nicht, für mich gab es nur den Titel und die Nummer. 

 

Ich kann mich daran erinnern, dass ich sehr intensiv gesucht habe – egal, in welcher Stadt wir waren, ob im Urlaub oder bei Verwandten zu Besuch. Gab es ein LTB-Rondell oder -Regal, hat Andreas geschaut, ob die Nr. 1 da war oder was noch fehlte. Die Verwandtschaft hat bereitwillig gezahlt, denn der Junge sollte ja lesen! Allerdings bin ich nie fündig geworden. Aber es war gefühlt die erste große Jagd nach einem Sammlerstück und hat mich somit fürs Leben geprägt. Dank der Unterstützung meiner Tante bin ich aber doch irgendwann an das gute Stück gekommen: Sie hat es in einer großen Buchhandlung in Hannover bestellt und mir dann geschenkt.

Bild: Wikipedia
Bild: Wikipedia

 

"Bei Schmorl & Seefeld gab es den Kolumbusfalter und im Kaufhaus Körber gab es regelmäßig LTB-Nachschub" 

Postkartenscan
Postkartenscan

Lange Jahre haben die Restbücher in einem Karton verbracht, bis ich sie vor einigen Jahren, als meine Kinder im richtigen Alter waren, hervorgeholt habe. Auch meine Kinder haben die Lustigen Taschenbücher mit Begeisterung gelesen, und auch mein Schwager kam das eine oder andere Mal vorbei und hat sich eines ausgeliehen. Da an vielen der Zahn der Zeit und das geschäftige Lesen genagt haben, sind einige nicht mehr in allzu gutem Zustand. Daher habe ich mich entschieden, die ganz kaputten zu ersetzen und die Lücken bis zur Ausgabe 118 zu schließen.

 

Dies passiert aber nur sehr gemächlich. Wenn ich ein gutes Angebot finde, bei dem ich mehrere Ausgaben zu einem günstigen Preis bekomme, schlage ich zu. Die Auflage ist mir dabei egal, nur muss das alte Logo darauf sein. Nach einigen kleinen Käufen, die sich über die letzten Jahre verteilt haben, konnte ich nun ein größeres Konvolut zu einem Schnäppchenpreis ergattern. 

Bild: Screenshot eBay
Bild: Screenshot eBay

Nur wenige Ausgaben sind doppelt, und die gekauften Exemplare sind fast alle in einem ziemlich guten Zustand. Von 36 Büchern waren 16 doppelt, von denen ich aber gut die Hälfte aufgrund ihres guten Zustands austauschen konnte. Es war also ein gelungener Kauf.

 

Auch einer meiner Arbeitskollegen hat davon profitiert. Ich habe ihm das Konvolut gezeigt und er war sofort Feuer und Flamme für die Bücher. Er hat alle Bücher bekommen, die ich nicht benötigte. Wer weiß, ob da jetzt die Sammelleidenschaft entfacht wurde.

 

Nun sind es bereits 100 Lustige Taschenbücher in meiner Sammlung, es fehlen also nur noch 18 und einige, die aufgrund ihres schlechten Zustands ausgetauscht werden müssen. Die Jagd nach den fehlenden Stücken wird mir also in Zukunft noch den einen oder anderen Spaß bereiten.

 


Wenn nicht anders angegeben, gilt für alle Bilder: Aufnahmen & Gestaltung Dunken.